Verständnis und Wissen können Teilhabe ermöglichen
Nicht jede Behinderung ist auf den ersten Blick sichtbar. Während ein Rollstuhl oder ein Blindenstock unmittelbar signalisieren, dass eine Barriere vorliegt, bleiben sensorische, soziale oder kommunikative Hürden für Außenstehende oft verborgen. Diese sogenannten invisible Barrieren führen im Alltag häufig zu Missverständnissen, Überforderung und Ausgrenzung.
Die Initiative Stille Stunde (https://www.stille-stunde.com) hat mit dem Handzeichen für invisible Barrieren ein Werkzeug geschaffen, das diese Lücke schließt. Es ist ein Symbol für akute Kommunikation, das ohne Diagnosen auskommt und dort ansetzt, wo Worte fehlen.
Die Symbolik: Halb Herz, halb Hirn

Das Handzeichen ist direkt aus dem Logo für nicht sichtbare Barrieren abgeleitet. Es verbindet zwei essenzielle Elemente, die für echte Inklusion notwendig sind:
- Das Hirn (Die Faust): Die geschlossene linke Hand symbolisiert das Wissen. Um Barrieren abzubauen, braucht es Informationen über neurologische Prozesse, Reizverarbeitung und die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung.
- Das Herz (Das halbe Herz): Die rechte Hand formt eine offene Kurve. Sie steht für das Verständnis und die Empathie. Wissen allein reicht nicht aus – erst die Bereitschaft, respektvoll und wertschätzend auf die Bedürfnisse anderer zu reagieren, schafft einen sicheren Raum.
Zusammengefügt signalisiert das Zeichen: „Hier ist eine Barriere wirksam. Ich brauche jetzt Wissen und Verständnis statt Bewertung.“
Warum braucht es ein eigenes Zeichen?
Inklusive Symbole wie der Rollstuhl erfüllen eine wichtige Funktion: Sie machen Barrieren erkennbar, ohne dass die betroffene Person ihre gesamte Krankheitsgeschichte offenlegen muss. Für Menschen mit neurodivergenten Profilen (wie Autismus oder ADHS), psychischen Beeinträchtigungen oder chronischen Erkrankungen wie Migräne oder Fatigue gab es bisher kein vergleichbares, universelles Zeichen.
Das Handzeichen „Herz-Hirn“ bietet hier entscheidende Vorteile:
- Diagnoseunabhängig: Es ist kein Label für eine bestimmte Krankheit, sondern ein Hinweis auf einen aktuellen Unterstützungsbedarf.
- Akute Hilfe: Besonders in Momenten der Reizüberflutung (Meltdown/Shutdown) sind viele Menschen nonverbal. Das Zeichen ermöglicht Kommunikation ohne Sprache.
- Gemeinfrei: Es gibt kein Copyright. Jede Schule, jedes Geschäft und jede Privatperson kann und darf das Zeichen nutzen.
Die Anwendung: Ein Zeichen in beide Richtungen
Das Besondere an diesem Handzeichen ist seine bidirektionale Nutzbarkeit.
1. Selbstäußerung: „Ich brauche Unterstützung“
Wenn eine betroffene Person das Zeichen zeigt, ist dies ein Signal an das Umfeld:
- Bitte Reize reduzieren (Licht aus, Musik leiser).
- Bitte Abstand halten oder eine Pause ermöglichen.
- Aktuelle komplexe Kommunikation abbrechen.
2. Achtsame Nachfrage: „Brauchst du Unterstützung?“
Kontaktpersonen, Lehrkräfte oder Kolleg*innen können das Zeichen präventiv nutzen, wenn sie bemerken, dass jemand unter Stress gerät. Es ist eine leise, diskrete Frage, die dem Gegenüber die Wahl lässt, Hilfe anzunehmen, ohne sich vor anderen erklären zu müssen.
Aktionstag am 11. Februar: Mitmachen und Sichtbarkeit schaffen
Am 11. Februar (Welttag der Kranken) ruft Stille Stunde dazu auf, das Zeichen für invisible Barrieren bekannt zu machen. Wir wollen eine Gesellschaft sensibilisieren, in der nicht sichtbare Bedürfnisse respektiert werden.
Wie du helfen kannst:
- Lerne das Zeichen: Übe die Handhaltung (Links Faust, Rechts halbes Herz).
- Teile das Wissen: Erstelle am 11. Februar ein Foto oder Video von dir mit dem Zeichen und nutze die Social-Media-Kanäle, um über invisible Barrieren aufzuklären.
- Nutze die Materialien: Die Initiative „Stille Stunde“ bietet umfangreiche Downloads, Vorlagen und Erklärungen (auch in Leichter Sprache) an.
Weiterführende Informationen und Downloads:
- Detailliertes Infoblatt: https://www.stille-stunde.com/wp-content/uploads/2026/02/Infos_Handzeichen.pdf
- Weitere Infos: https://www.stille-stunde.com/uebrigens/das-zeichen-fuer-invisible-barrieren/
Gemeinsam sorgen wir dafür, dass Barrieren – auch wenn man sie nicht sieht – nicht länger ignoriert werden.